Erwin TRUM

1928 - 2001



BETRACHTUNGEN

Was bedeutet Maler zu sein ?

Erwin TRUM Was bedeutet Wirklichkeit und die Wirklichkeit heute zu malen? Was mich betrifft, bin ich gerade so unfähig, und lächerlicher Weise nicht fähig, etwa ein Ding zu malen, mich auf ein Motiv zu konzentrieren. Eine Landschaft betrachten, vertraute Dinge, ein Gesicht, den Himmel und die Wolken, nie kann ich sie von ihrer Vergangenheit, ihrer Gegenwart, ihrer Geschichte und von dem unbekannten Schicksal, das ihnen entgegensieht, absondern. Nie, in der Bewunderung der schönsten Landschaften, der kostbarsten Gegenständen, der liebsten Gesichter, kann ich sie von dem Rest der Welt, dem Hungernot, des Elendes, der ungenannten Gemetzel denen niemals die traurige Ehre erwiesen wird, in den Zeitungen erwähnt zu werden und die im Unbekannten eingeschrieben sind, abtrennen. Deswegen werde ich nie die heuchlerische Kraft haben, die Freude oder die Tränen zu malen, den Pinsel als Schönschreiber des Aufstandes oder des elegischen Humanismus gebrauchen, sondern malen in der einfachen Feststellung, noch am Leben zu sein.

Erwin TRUM
08-II-94

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Erwin TRUM In meiner Jugend,

Die Tatsache nichts zu sein und nichts zu werden, schien mir leichter zu ertragen als die bedrückende Aussicht, durch pädagogisches oder soziales Drängen, oder durch einfache Lust, es weit zu bringen, jemand oder sogar "etwas" zu werden; ich wollte nicht in der ewigen Not leben, Sinn in Sachen die keinen haben, zu stecken.
Malen um alles Denken zu entfernen.

Erwin TRUM

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Erwin TRUM Maxwells Dämon.

Kabbalistische Zeichen und die Formeln der Physik sind Symbolen einer verwickelten Realität, einer bezifferten Welt. Diese Abkürzungen wirkten auf mich, Jüngling, mit einer zauberhaften Anziehungskraft, um so mehr als ich der Physik, im Gymnasium, ein jämmerliches Ende zu voraussehen dachte.
Überheblicher Weise, setzte ich, während der Ferien 1944, meine letzte Hoffnung in das Physikbuch meines Vaters, das, übrigens, für die technischen Hochschulen vorgesehen war, aber was sonst tun? Fünf Jahre Krieg... Die newtonsche Axiomatik schien mir so selbstverständlich, dass ich sofort mehrere Kapitel übersprang, und zwischen Optik und Elektrizität, auf einen Absatz stieß in dem die maxwellsche Theorie des Lichts zumal als wellenmässiges und atomisches Phänomen, meiner Unbefangenheit den Gnadenstoß gab. Was bedeutet Photon, ein Partikel, die im Raum-Zeit-Kontinuum zugleich überall und nirgendwo ist, und die seine Existenz gleichzeitig durch seine Anwesenheit in einem Punkt und durch eine Distanz, bestätigt? Ich versuchte mich in die Lage dieses Teilchen zu versetzen, mich als Photon vorzustellen, in der Dauer existierend, aber ohne Substanz. Die Ankunft der Roten Armee befreite mich bald von diesen ontologischen Sorgen. Während denselben Schulferien, las ich auch den ersten Faust, stolperte durch die Nietzsches "Genealogie der Moral", verschlang den "Antichrist"; trotzdem, wie ein Virus, hatte sich Maxwells Dämon in mich eingeschlichen.

Erwin TRUM

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Erwin TRUM

Als ich 5 Jahre alt war,

Sah ich Hitler vor meinem Fenster vorbeimarschieren. Wenn er den Krieg gewonnen hätte, wäre ich wahrscheinlich ins KZ gekommen. Frage: auf dem Wachturm oder im Krematorium? Mehr als 40 Jahre danach, bin ich dessen nicht sicher, was mich in meinem Humanismus eines möglichen Henkers tröstet.

Erwin TRUM
11-V-88

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Erwin TRUM Welch ein Harmloser
Würde sich heute noch das Ohr für eine Prostituierte abschneiden?
Hätte Van Gogh sich das Ohr abgeschnitten, wenn er eine Brille angehabt hätte?
Wäre Napoleon bis Moskau gegangen wenn er Hühneraugen gehabt hätte?
Mit solchen blöden Fragen habe ich mir die nachhaltigsten Feinde geschaffen.


Erwin TRUM

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Erwin TRUM

Seit ich nicht mehr an Gott glaube,
Verdächtige ich Ihn der schlimmsten Einfälle, wie eine verlassene Mätresse. Ich schnuffle seine Präsenz in der dunklen Nacht wie die eines Einbrechers der spurlos in mein Zimmer einschleicht um mich zu bestehlen.
Ich werde mit einer Flinte in den Augen schlafen.

Erwin TRUM
08-II-94

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Damals, eine Stimme

Erwin TRUM In München wohnten wir eine schlichte Dachwohnung mit Küche, Nymphenburger Straße, n°27 für 50 Reichsmark pro Monat. Das war viel Geld, so wie ich es immer sagen hörte. Mein Vater war Wachtmeister in der Waffenstillstands Armee. Wenn er nach Hause kam, roch er nach Pferdemist und Pulver. Sonntag gab er sich mit Kleinigkeiten ab, Neubesohlung von Schuhen oder Kleiderschneiden für meine Mutter. Eines Tages, richtete er einen Apparat mit einem großen Horn, ein hufeisenartiges Magnet und eine funkelnde Lampe auf das Büfett ein, drehte einige Knöpfe, mühte sich ab und richtete sich stolz zu meiner Mutter. Es war ein Radiogerät; und da war der Münchner Sender. Aus diesem großen kartonierten, auf dem Küchenschrank stehenden Horn, hörte ich zum ersten Mal die Namen von Sänger wie Benjamino Gigli, Erna Sack oder Léo Slezak. Eine weibliche Stimme, deren Ton wie von einer unendlichen Weite kommend, aber gleichzeitig warm und tief, umhüllte mich; diese Stimme, dieser Name, habe ich nie wieder gefunden; ich habe sie einmal gehört und dann nie mehr; es war die große Aria von Orpheus und Eurydice, von Glück. Später, als die Raumtongeräte meinen Verhältnissen zugänglich wurden, kaufte ich Kästchen Schallplatten in der Hoffnung, diese Stimme wieder zu hören: "Ach!, ich habe dich verloren". Die einzige Stimme die, meines Erachtens nach, dieser für immer Unbekannte ähnlich war, war die der Kathleen Ferrier in der Rhapsodie für Orchester von Brahms, auf Goethes Versen: Das Gras steht wieder auf, (vom Gedicht Harzreise im Winter) Tief und sinnlich, diese Stimme, vom tiefsten mütterlichen Leib kommend, ist für immer mit dem Tode Orpheus verbunden.
Die Wörter sind Lärm und Rauch; die Stimme ist die Membrane der Seele.

Erwin TRUM

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Erwin TRUM Man sollte den Spiegel zerbrechen.

Man sollte den Spiegel zerbrechen, dass ich meine Fratze nicht mehr sehe. Meine Fratze die meine Fratze ansieht, die meine Fratze ansieht und die nicht muckst. Warum? Keine Ahnung. Und wie kann ich sicher sein, dass die Fratze die mich ansieht ja die meine ist? Soll ich einen Nachbarn zu Hilfe rufen? Unnötig. Die Museen sind voll zum platzen mit allerlei Selbstbildern. Aber, was sagen die mir von den Besitzern dieser Gesichter? Nichts. Abwesend, und trotzdem doch da. Also wenn diese Fratze ja die meine ist, ist es doch kein Beweis, dass sie mir gehört. Jedenfalls, das ist überlegungswürdig.

Erwin TRUM

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Das Absolute ?

Erwin TRUM Ein Jeder hilft sich mit den Orgasmen die ihm vorkommen ab, indem er die der Anderen verdächtigt und beneidet, in Ermangelung sie sich vorstellen zu können.
Zwischen beiden Benehmen ist das Feld weit um einer ganzen Literatur Platz zu lassen. Mit der Frustration hinter einem so fraglichen, weil zweifelhaften, Absolute zu laufen, gelingt es von Zeit zu Zeit ein schönes Gemälde zu basteln. Dennoch sollte man es nicht zu hoch überschätzen. Eher ist es guter Grund um ein anderes anzufangen, sei es nur um zu lachen. Es ist nie zu spät um festzustellen, dass man sich über alles und über sich selbst beirrt hat.

Erwin TRUM
08-II-94

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BANALITÄT
DAS IST MEIN MINIMALISMUS.

ET - 19-VIII-88

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Die Traurigkeit wird ewig dauern.

Erwin TRUM Schrieb Van Gogh bevor er sich den Tod gab. Welche Traurigkeit? Ich glaube, dass diese Momente der Schwermut des Geistes bevor man sich zusammen nimmt oder sich in die Tiefe des Nichts verschmelzt, dieses Bewusstsein der Unmöglichkeit es "zu sagen", ich glaube, dass dieses trübseliges Schwanken alle Maler, eines Tages, trifft. Aber all diese Schweben führen nicht immer zum körperlichen Selbstmord, es gibt andere Manieren, subtiler, schädlicher, banaler, die zum Akademismus und allerlei Anpassungen leiten, die Fragenstellungen vermeiden, die die Finalität der Kunst nicht kennen wollen und sich mit einer selbstproklamierten Offenkundigkeit befriedigen. Also, in dem man die Finalität und den Sinn der Kunst in Klammern stellt, indem man sie als Tabu errichtet, vergisst man die Grundfrage die die unzeitige Kunstübung stellt, dass das Leben selbst nur einen Unsinn unter anderen ist.
Die sogenannte Finalität der Kunst, diese so gepriesene aktuelle Theorie ist nur das beste Beispiel: sie hat keine Einstellung irgendeiner Akademie wegen Vergänglichkeit angetrieben, sie hat keinen Maler verhindert seine tägliche Gewohnheiten weiter zu führen, wie zuvor. Im Gegenteil, diese Theorie ist ein weites fruchtbares Feld für wissenschaftliche und akademische Auslegungen, ein Zeitvertreib wie ein anderer. Die Modernität, seit Van Gogh, besteht einfach in der Erfindung des Selbstmords mit eine Druckkapsel.
Wir haben gelernt mit leeren Augen zu leben.

ET - 13-IV-1994

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Es ist ein sehr zufälliges Unternehmen

Erwin TRUM Sich in einer nicht einheimischer Sprache auszudrücken. Eigentlich, die Gelegenheiten des Lebens sind so, dass ich nicht weiß welche meine ist. Um für alle verständlich zu sein, habe ich die Sprache der Malerei, der Formen und der Farben als Esperanto gewählt. Im Deutschen fehlen mir die mit den Jahren verlorene Feinheiten; im Französischen, die noch nicht erhaltenen. Nun, sei es im Malen, sei es im Schreiben, kann ich nur die Feststellung einer bestürzende Aphasie machen. Es fehlen mir die Wörter, ich laufe den Bildern hinterher, den meist verflüchtigenden, aber ich mag nicht tote Schmetterlinge unterm Glas und ich bin zu faul um den Wind, den in der Hand durchgehende Luftzug, abzufangen. Ich bin ein Faulenzer. Eigentlich, nur der Wunsch stabil zu bleiben, erweist sich mit der Zeit der meist destabilisierende. Ich glaube, dass diese Kalamität vielleicht der einzige Erfolg meines Lebens ist.

Erwin TRUM
08-II-94

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Wann ich einen Mann, ein Gesicht oder eine Landschaft anschaue…

Sehe ich den Mann, sehe ich die Landschaft. Aber ich sehe auch 10 Jahre, 100 Jahre, 1000 Jahre die diese Gesichter, diese Landschaften gestaltet haben. Ich sehe die Einflüsse der Zusammenflüsse. Ich sehe den Mensch wie die Landschaften in einer augenblicklichen Wahrnehmung der geologischen Zeiten, die Änderungen des Unveränderlichen.

Erwin TRUM
18-V-94

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In der Geschichte gibt es Fehlgeburten die Ihnen den Ruhm sichern.

Erwin TRUM Die Erfindung und dann die Entwicklung der Regeln der Perspektive haben paradoxerweise die Alarmglocke des Wissens geschlagen. Daher, kann die Kunst von Natur aus nur einen antiphilosophischen Status haben. Denn alles, in der Perspektive, führt zu einem Aussichtspunkt zurück, zu einem frei gewählten, also ungewissen und spekulativen Ausgangspunkt. Ob philosophisch, ob ökonomisch, finden wir darin ein Phänomen der Verpflichtung, eines Glaubens, einer sozialen "Religion". Und auf einer messbaren, kodifizierender Weise, dieses würde den Verdacht bestätigen, dass das Denken sich kaufmännisch bewerten kann, dass man es wie eine Währung in der Kursnotierung der Börse betrachten kann. Die antiphilosophische Haltung eines Malers kann sich als einfache Verwendung der Grundlagen der Planimetrie an eine Topologie der verwickeltsten Flächen der Dreieckigkeit des Lebens, erklären. Aber das würde auch den Status des Künstlers als begehrtes Wesen bestätigen, denn ohne Perspektive, in allen Sinnen des Wortes, wäre es unmöglich, politisch oder geistig, eine Ordnung aufzubauen. Es ist auch wahr, dass die Abwesenheit einer Ordnung, einer Perspektive, auch die grausamste, weil unsichtbare, Gewaltherrschaft bedeuten kann. So bezeichnet sich unser Jahrhundert vielleicht als dies des Trauer-Taufens des Traums einer totgeborenen Zivilisation.

Erwin TRUM
25-II-88

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DEM IDEENKAMPF BEVORZUGE ICH DEN TRÖDELMARKT.
LANGEWEILE ALS UNTERHALTUNG.

Erwin TRUM

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Erwin TRUM

Was ist denn entsetzlicher...

Und abhebender als wenn jemand Ihnen seine Hochachtung mittteilt. So sind Sie zum Tambourmajor eines Majoretten Geschwaders gefördert. Lob hat immer dieses verdächtige Parfüm eines schleichenden Bolschewismus. Sie umwandeln Sie indem sie Ihre Individualität aufknabbern. Lob raubt Ihnen Ihre Distanz. Es gibt zwischen Sklaven geheime Erkennungszeichen: Die unerträgliche Offenbarung der Einsamkeit, die Selbstsublimation durch eine andere Person, eine ganze Genealogie der Höflichkeit.

Erwin TRUM

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Erwin TRUM

Sinn oder (und) Unsinn
Letztendlich nur die unendlichen Varianten einer Komödie die unsere verschiedenen Leidenswege zusammenfasst.
Mathematisch befasst sich das in der Eleganz einer Erklärung der Funktion einer Bogenlinie, aber auf der Basis einer Gerade, einer leitende Linie die allein den ganzen Raum eine Blattes, quer besitzt.

Erwin TRUM
20-IV-88

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Manchmal, öffnet man ein Buch ohne Ziel und fällt auf eine Seite wo man etwas liest was man gerade geschrieben hat. Für einen Augenblick, gibt das Ihnen einen klugen Anschein, aber wenn das Erstaunen vorbei ist, fühlt man sich ganz dumm.

Erwin TRUM

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Ich mache ziemlich kleine Gemälde,

Manchmal mittelmäßige. Ich weiß nicht ob diese Malerei, in einer Zeit wo alle nur große Formate loben, standhalten wird. Wenn meine Malerei durchhaltet, dann nicht wegen dem Format. Wenn sie aushält, groß oder klein, hat Format nichts damit zu tun.

Erwin TRUM
13-III-93

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Der Ritter, der Tod und der Teufel.

Erwin TRUM Existent sein, bedeutet verkrampften Blick in die Vergangenheit; existent sein, bedeutet mit Scheuklappen vor sich stoßen, blindlings ins Gestrüpp der unmöglichen Kenntnis des Verlusts. Gott behüte dich von der Sehnsucht. Gott beschütze dich von der Trübseligkeit.
Meine ersten Bilderbücher waren die monatlichen Hefte des väterlichen Vereins des deutschen Buches; da ich kaum lesen konnte, konnte ich sie nur durchblättern. Die Bilder faszinierten mich; einige betrachtete ich, voller stille Fragen; andere zogen mich stets an, erwachten in mir der Schauer eines finsteren Schreckes. Da war der Ritter, der Tod und der Teufel von Dürer, da war die Lucrèce des Lucas Cranach, mit dem schlängelnden Dolch. Ich wurde von diesen Bildern wie ein Löschpapier durchdrungen, aber was mich fasziniert, wenn ich ein Bild betrachte, könnte ich, heute noch, nicht sagen.
Jahre später, Namenloser unter den Namenlosen, eine einfache Nummer, trat ich in die Kaserne der Fremden Legion in Sidi-Bel-Abbes ein. Da, über dem Tor stand, in großen Buchstaben geschrieben, das Motto, "GEH ODER VERRECK".
Was ich zuerst in meiner Unbefangenheit, glaubte, die letzten Wörter, vielleicht, eines tod-besoffenen Feldwebels, oder eine militärische Verspottung, eine Variante der Einschrift des Tores der danteschen Hölle, zu sein, ergab sich später, ohne Faxen zu machen, als die ungeschminkte Wahrheit von Dürer: nichts ist eine Träne wert, das Leben ist ein blindes Geschenk, die Zukunft ist hoffnungslos, die Selbstgefälligkeit ist nur Traurigkeit.

Erwin TRUM

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Jeder aufgehende Tag ist die Lösung eines anderen Problems.
Jede fallende Nacht wischt es aus.
Mein Bettlacken riecht nach Knoblauch und meine Haut schwitzt Wein.
Morgen werde ich mein Herz ausschütten und der Sonne mein Betrag verlangen.
Ich werde ihm den Mond stehlen.

Erwin TRUM
20-I-88

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